Wenn du mir schon eine Weile folgst, dann weißt du, wie tief meine Liebe zu Irland geht. Vielleicht hast du auch bereits mitbekommen, dass ich einen großen Schritt wagen werde: Ich werde nach Irland umsiedeln. Ich kann diesen Drang in mir nicht mehr ignorieren und so tue ich, was mein Herz, meine Seele mir raten: ich ziehe auf die Grüne Insel.

Von Träumen und Heimweh

Wenn ich heute auf meine Kindheit zurückblicke, fallen mir zwei Dinge besonders auf. Zum einen hatte ich schon als Kind immer wieder Träume von einem Ort, den ich damals nicht einordnen konnte. Ich wusste nicht, wovon ich träumte – nur, dass diese Bilder und Gefühle immer wieder auftauchten. Ich träumte davon, am Rande einer Klippe zu stehen. Und irgendwann breitete ich meine Arme aus und flog. Ich flog über die Klippen, über das Meer und hin zu einer vorgelagerten Insel. Ich träumte von Steinkreisen, von Portal Tombs und Ruinen. Und das, bevor ich jemals etwas über solche Dinge gehört oder sie je gesehen hätte. Heute weiß ich, dass die Klippen, von denen ich träumte, die Klippen von Sliabh Liag sind. Und obwohl ich diese schon oft bereist habe, erkannte ich das erst, nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, dorthin auszuwandern.

Wie erwähnt, das Eine, was aus meiner Kindheit klar hervorsticht, waren diese Träume. Das Andere, was mir auffällt: noch nie in meinem Leben hatte ich Heimweh. Nicht einmal als kleines Kind in Ferienlagern.

Bis vor einigen Monaten.

Denn plötzlich war da etwas, das ich vorher nicht kannte: eine tiefe Sehnsucht. Ein Ziehen im Herzen. Ein Heimweh nach einem Ort, der sich für mich wie Zuhause anfühlt.

Die Entscheidung

Im Sommer 2025 traf ich die Entscheidung, nach Irland auszuwandern.

Es war keine leichte Entscheidung. Mir war von Anfang an bewusst, dass ich diesen Weg allein gehen würde. Und ich wusste genau, was ich zurücklassen würde: meine Familie, meine Eltern, meine Freunde, mein gewohntes Umfeld. Menschen, die ich liebe und die einen festen Platz in meinem Herzen haben.

Natürlich weiß ich, dass Abschied schmerzhaft sein kann. Natürlich weiß ich, dass es Momente geben wird, in denen mir all das fehlen wird.

Aber ich weiß auch etwas anderes.

Ich weiß, dass dieser Weg der richtige ist

Denn die Sehnsucht, die ich in den vergangenen Monaten gespürt habe, war stärker als alles, was ich bisher kannte. Sie war klar, eindeutig und unmissverständlich. Und gerade deshalb hat sie für mich eine so große Bedeutung. Schließlich hatte ich noch nie zuvor in meinem Leben Heimweh empfunden.

Als ich 2010 zum ersten Mal nach Irland flog, ahnte ich bereits beim Hinflug, dass diese Reise etwas verändern würde. Noch heute erinnere ich mich an den Moment des Landeanflugs auf die Grüne Insel. Während unter mir die irische Landschaft auftauchte, liefen mir Tränen über das Gesicht.

Damals verstand ich noch nicht vollständig, warum.

Heute weiß ich es.

Irland rief mich, schon immer

Von diesem Moment an zog es mich immer wieder zurück. Ich reiste regelmäßig nach Irland, lernte das Land kennen, seine Menschen, seine Kultur und seine besondere Energie. Und mit jeder Reise wurde die Verbindung tiefer.

Aus Begeisterung für die Sprache und auch im Hinblick auf meine spirituellen Seminare begann ich sogar, Irisch zu lernen. Zugegeben – ich bin noch nicht dort, wo ich gerne wäre. Aber auch hier vertraue ich darauf, dass jeder Schritt seinen eigenen Zeitpunkt hat.

Dann kam der November 2025.

Ich fand ein Haus.

Mein Haus.

Zwei Tage nach der offiziellen Besichtigung fuhr ich noch einmal dorthin. Mit dem Einverständnis der Besitzerin durfte ich mich erneut auf dem Grundstück umsehen. Ich stand etwa zwanzig Minuten vor diesem Haus. Ich sagte nichts. Ich tat nichts. Ich war einfach nur da.

Ich ließ meinen Blick über die Landschaft schweifen, spürte die Stille, die Weite und die Atmosphäre dieses Ortes.

Und tief in meinem Inneren geschah etwas.

Etwas, das sich nicht logisch erklären lässt.

Etwas, das man einfach weiß.

In diesem Moment wurde mir mit einer Klarheit bewusst, die keinen Zweifel zuließ:

Das ist mein Zuhause

Wer schon einmal einen Ort gefunden hat, der die eigene Seele berührt, wird verstehen, was ich meine. Es ist kein Gedanke. Keine Entscheidung des Verstandes. Es ist ein tiefes inneres Wissen.

Genauso wie ich weiß, was ich zurücklasse, weiß ich auch, was ich gewinne.

Denn auf mich wartet nicht nur ein Haus. Auf mich wartet ein Zuhause. Und auf mich warten Menschen.

In den letzten Jahren durfte ich wunderbare Freundschaften knüpfen – Freundschaften, die sich längst wie Familie anfühlen. Menschen, die voller Vorfreude darauf warten, dass ich endlich ankomme. Menschen, die mich mit offenen Armen empfangen werden.

Und auf ihre ganz typisch irische Art haben sie längst begonnen, mich willkommen zu heißen.

Sie haben Geschirr gesammelt, Töpfe, Pfannen und sogar Möbel organisiert, damit ich mein Haus einrichten kann, ohne alles neu kaufen zu müssen. Sie denken mit, helfen mit und tragen bereits jetzt dazu bei, dass aus vier Wänden ein Zuhause wird.

Sogar eine Flasche Poitín steht schon bereit, damit wir beim Housewarming gemeinsam auf diesen neuen Lebensabschnitt anstoßen können.

Jedes Mal, wenn ich daran denke, bin ich tief berührt. Denn solche Gesten entstehen nicht aus Höflichkeit. Sie entstehen aus Verbundenheit. Eine Verbundenheit, die dort vollkommen normal ist, wenn man den Menschen und ihrer Kultur offen und positiv entgegenkommt. Eine Verbundenheit, nach der wir uns wohl alle sehnen – doch die ich in Deutschland bislang nur selten erlebt habe. Dort leben die Menschen in einer Gemeinschaft – während wir hier wohl eher in einer Gesellschaft leben, die keine echte Gemeinschaft ist.

Der Kampf ums Überleben hat sie geprägt

In dieser rauen Gegend waren und sind die Menschen aufeinander angewiesen. Nur selten habe ich einen solchen Zusammenhalt erlebt, wie ich ihn dort immer wieder erfahren darf. Sie schauen aufeinander, unterstützen sich gegenseitig und leben die Gemeinschaft. Die Abende im Pub – sie sind nicht dafür da, sich hemmungslos zu betrinken. Sie sind dafür da, sich auszutauschen, aufeinander zu schauen und Neuigkeiten auszutauschen. Ja, dabei fließt auch Alkohol (und bei manchen Menschen sicher auch zu viel). Doch in erster Linie ist ein Pub der Ort, an dem die Gemeinschaft zusammenkommt und miteinander lacht, weint und musiziert.

Was mich erwartet

Doch nicht nur Menschen warten dort auf mich.

Da ist auch die Landschaft, die ursprünglicher, rauer und ehrlicher kaum sein könnte. Die endlosen Weiten. Die wechselnden Farben des Himmels. Das Wetter, das sich manchmal innerhalb weniger Minuten vollkommen verändert und das Leben daran erinnert, dass Wandel etwas Natürliches ist.

Da ist der Wind, der fast immer präsent ist. Mal sanft, mal kraftvoll. Ein Wind, der die Gedanken ordnet, den Kopf frei macht und alles Überflüssige davonträgt.

Da sind die Klippen, zu denen es mich immer wieder wie magisch hinzieht. Orte, an denen Himmel, Meer und Erde aufeinandertreffen und an denen ich stundenlang sitzen kann, einfach nur schauen, lauschen und sein.

Da ist der beste Chai Latte auf der Aussichtsplattform über den Klippen – inzwischen schon ein richtiges Ritual für mich.

Strände, Meer und Pubs

Da ist der Atlantik.

Mit seinem ewigen Kommen und Gehen erinnert er mich daran, dass alles im Leben seinen Rhythmus hat. Seine Wellen erzählen von Veränderung, von Loslassen und Neubeginn. Und gleichzeitig liegt in seiner unbändigen Kraft eine Ruhe, die mich jedes Mal aufs Neue erdet. Und ich bin mir sicher, dass der Atlantik großen Anteil daran haben wird, dass ich mich selbst dort noch mehr finden kann.

Da sind die traumhaften Sandstrände, die selbst an gewöhnlichen Tagen etwas Magisches haben. Von Stränden, an denen ich mich in den Atlantik stürzen kann, um mich freizuschwimmen, bis hin zu Stränden, an denen man einfach nur spazieren geht oder sitzt und den Wellen lauscht, ist alles dabei.

Und dann sind da die Musikabende in den Pubs, wenn sich Menschen versammeln, gemeinsam lachen, erzählen und musizieren, ohne dafür eine Bühne zu brauchen.

Und die irische Sprache. Denn ich ziehe in ein Gaeltacht – Gebiet. Hier wird die Sprache noch gesprochen und viele der alten Traditionen sind hier noch lebendig. Eine Sprache, die für mich klingt wie Musik. Eine Sprache, die nicht nur meine Ohren erreicht, sondern direkt mein Herz berührt. Manchmal habe ich das Gefühl, als würde sie unmittelbar mit meiner Seele sprechen.

All das wartet auf mich.

All das gehört zu dem Leben, das vor mir liegt.

Die irische Gelassenheit

Der Hauskauf in Irland ist bekanntlich kein schneller Prozess, und die vergangenen Monate haben meine Geduld mehr als einmal auf die Probe gestellt. Vieles dauerte länger als gehofft, manches verlief anders als geplant. Die irische Gelassenheit darf ich in dieser Hinsicht wohl noch üben. Auch wenn mir die Einheimischen oft sagen, dass ich keine typische Deutsche bin, dass ich eine von ihnen bin, so habe ich in den letzten Monaten beim Prozess des Hauserwerbs gemerkt: in mancherlei Hinsicht bin ich wohl doch zu deutsch. Ich bin es zum Beispiel gewohnt, dass Emails, die ich an meinen Anwalt schicke, meist innerhalb von 2 oder 3 Tagen beantwortet werden. Nun ja, nicht in Irland. Ich warte noch immer auf Antworten auf Emails, die ich vor 7 und 4 Wochen geschickt habe…

Doch inzwischen ist das Ziel zum Greifen nah.

Der Umzug rückt näher.

Und mit jedem Tag spüre ich deutlicher, dass sich ein Kreis schließt und gleichzeitig ein neues Kapitel beginnt.

Ja, ich lasse einiges zurück.

Menschen, Orte und Erinnerungen, die mich geprägt haben und die immer Teil meines Lebens bleiben werden.

Aber ich gewinne auch unendlich viel.

Freundschaft. Gemeinschaft. Freiheit. Weite. Natur. Verbundenheit. Heilung.

Und das tiefe Gefühl, endlich dort anzukommen, wo mein Herz schon seit vielen Jahren zu Hause ist.

In Kürze geht es nach Hause.

Einen Gedanken von Dir hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert